Führen in Zeiten von Corona – Im Dilemma zwischen verordneter Distanz und dem Bedürfnis nach sozialer Nähe

Homeoffice Führen auf Distanz

Die Arbeitswelt 2020 wird durch Corona mit einer Situation konfrontiert, die in diesem Ausmaß noch nicht dagewesen ist. Wir alle wurden in ein neues Lernfeld geworfen, das wir uns nicht ausgesucht haben.

Das Miteinander, die Kommunikation zwischen Führungskraft zu Mitarbeiter spiegelte in den letzten Wochen vor allem eins: Wir befanden uns in einem operativen Krisenmodus (der teilweise noch andauert), in dem es darauf ankam, schnell zu entscheiden und umzusetzen, zu fokussieren und priorisieren. Nachdem das Organisieren von Arbeitszeit und Ort viel Raum einnahm – wie auch zahlreiche andere organisatorische und hygienische Notwendigkeiten – geht es für Führungskräfte nun darum, ihr Handeln auf die neue Situation und die kommende Zeit, die noch lange nichts mit einer neuen Normalität zu tun haben wird, einzustimmen.

Wenn die Zwischenmenschlichkeit fehlt

Die physische Distanz durch Homeoffice, digitale Meetings und Abstandsregelungen in der Begegnung im Büro hat Spuren hinterlassen: viele zwischenmenschliche Komponenten, mit denen wir uns für eine andere Person öffnen, Vertrauen schaffen, Lebendigkeit und Zusammengehörigkeitsgefühl erleben, können Teams momentan nicht oder nur eingeschränkt leben. Vieles davon macht das Herz von gutem Coworking aus und inspiriert es. All das, was in zwischenmenschlichen, oft auch zufälligen nahen Begegnungen entsteht und sich digital eben nicht einfach so abbilden lässt, hat in Teams Lücken und aufgestaute Emotionen hinterlassen. Hinzu kommen die individuellen Herausforderungen, die sich durch Neuorganisation des Familienalltags mit zahlreichen Konfliktherden, sowie auch Einsamkeit und zu bewältigenden Ängsten ergeben haben.

Gleichzeitig lastet auf Management und Führung ein hoher Druck, das Geschäft jetzt schnellstmöglich wieder wirksam anzukurbeln.  Dies birgt die Gefahr für Führungskräfte, sich in der Interaktion mit Mitarbeitern übergangslos diesen Herausforderungen im Tagesgeschäft zu widmen.

Auf die richtige Führung kommt es nun an

Reflexion und Verarbeitung der vergangenen Wochen sind jedoch in dieser jetzt angebrochenen Phase unerlässlich. Führungskräfte sind gefragt, dies angemessen zu unterstützen und zu begleiten. Wenn es noch nicht möglich war, mit Mitarbeitern zu thematisieren, wie sie die vergangenen Wochen erlebt haben, so sind Führungskräfte gut beraten, dies nun zu tun.

Eine unerwartete Erkenntnis daraus kann sein: Auch für Leistungsträger in Unternehmen, denen man gerne Stabilität und Resilienz automatisch zuschreibt, kann die vergangene Zeit äußerst belastend gewesen sein. Gerade für sie ist ihre Arbeit oft identitätsbildend, sie stiftet ihnen soziale Anerkennung und Kompetenzerleben. Andauernde Kurzarbeit, verordnete Homeoffice-Tätigkeit und eingeschränkte Begegnung im Office machen dies nicht spürbar, was eine Identitätskrise auslösen kann. Dies mag so manche Führungskraft auch selbst erleben.

Es geht nun darum, Orientierung zu finden und zu geben sowie Zuversicht in Zeiten der Veränderung zu vermitteln. Keine leichte Aufgabe, stellt sie doch einige Kernthemen der vergangenen Jahre (wie Vertrauenskultur, werteorientierte Führung, echter Teamspirit) auf den Prüfstand.

Somit ist es auch eine Phase mit erheblichen Chancen auf einen großen Entwicklungsschritt – hin zu einem neuen Reifegrad von Persönlichkeit, Führung und Miteinander, die wir nicht verstreichen lassen sollten.

Im f.o.n.-connect Spezial am 19.06.2020 sprechen wir von 11:00 – 12:30 Uhr über dieses Thema:

Führen in Zeiten von Corona  –  Im Dilemma zwischen verordneter Distanz und dem Bedürfnis nach sozialer Nähe

  • Welche Notwendigkeiten in der Mitarbeiterführung ergeben sich im Übergang von einem operativen Krisenmodus in eine neue Realität?
  • Bewältigung und Reflexion der Krise – was sollten Führungskräfte tun, was sollten sie lassen?
  • Welche Chancen liegen in der derzeitigen Situation und wie können Führungskräfte diese nutzen?

Moderation/Leitung: Sevira Patricia Landsberg, zertifizierte Leadership-Trainerin und Coach für Führungskultur in neuen Arbeitswelten, Top-Business-Coach 2019.

Über die Autorin

Sevira Patricia Landsberg, sevira Consult

Sevira P. Landsberg, holicon Beratergruppe, ist ehemalige Leistungssportlerin, zertifizierte Trainerin für Leadership und wurde als „Top-Business-Coach“ ausgezeichnet. Sevira Patricia Landsberg setzt in ihren Coachings neue Impulse für zeitgemäße Führungs- und Kommunikationskultur und bringt über 20 Jahre Erfahrung in Marketing, Vertrieb und Geschäftsstellenleitung im Bankensektor mit. Als Beraterin unterstützt sie KMUs rund um das Thema Führung in offenen Arbeitswelten.